Schlagwort: Ausbau S-4. Güterverkehr

Stellungnahme zum 4-gleisigen Ausbau der Bahnstrecke durch das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal und Ahrensburg

Der geplante Neubau der S-Bahnlinie S4 und die damit verbundene Aussicht auf eine bessere Verkehrsanbindung nach Hamburg erscheint zunächst sehr verlockend.

So verlockend, dass man schnell übersehen könnte, dass sich hinter dem Neubau des Streckenabschnitts zwischen Altona und Bad Oldesloe eines der größten Infrastrukturprojekte Europas verbirgt, nämlich der Ausbau der Schienenanbindung an den geplanten Fehmarnbelt-Tunnel nach Skandinavien.

Im Juni 2012 erklärte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz dazu auf einer Konferenz: „Das Projekt (Fehmarnbelt-Tunnel) wird kommen und wird mehr Güter- und Personenverkehr aus (und nach) Skandinavien in den Eisenbahnknoten lenken. In Hamburg leisten wir unseren Lösungsbeitrag, indem wir die Strecke Hamburg Lübeck durch Bau der S-Bahn S 4 vom Nahverkehr entlasten.“

Für uns heißt das: Um die bestehende Bahnstrecke für einen der größten Güterverkehrskorridore (TEN-V) Europas zu ertüchtigen, müssen zwei zusätzliche Gleise durch das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal und die Stadt Ahrensburg gebaut werden!

Dabei ist nicht einmal geklärt, ob der Neubau der Bahnlinie S4 überhaupt eine schnellere Anbindung nach Hamburg ermöglichen wird!

Einige Experten vermuten sogar, dass die S4 langsamer sein wird als die aktuelle Verbindung mit dem Regionalexpress, da zusätzliche Haltestellen die Fahrzeit verlängern werden. Schon heute wissen wir aber, dass der Bahnverkehr auf dem Streckenabschnitt Hamburg-Lübeck erheblich zunehmen wird.

Auf dem Infoportal https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/anbindung-fbq der Deutschen Bahn zu Bauprojekten kann man dazu nachlesen: „Nach Prognosen der Bundesrepublik Deutschland im Bundesverkehrswegeplan nutzen im Jahr 2025 täglich 78 Güterzüge und 40 Personenzüge die feste Fehmarnbeltquerung.“

Was würde der Ausbau für das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal bedeuten?

Gemäß Landesarchäologen Ingo Clausen „zählt das Ahrensburger Tunneltal zu den bedeutendsten Forschungsregionen der altsteinzeitlichen Archäologie des nördlichen Europas.“ Auch die Geologie und die Natur sind von einzigartiger Wertigkeit. Nicht umsonst ist das Ahrensburger Tunneltal seit 1977 Grabungsschutzgebiet, seit 1983 Naturschutzgebiet und seit 2010 außerdem Bestandteil eines Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebietes und genießt damit den höchsten Schutzstatus auf europäischer Ebene!

Die Auswirkungen auf das Ahrensburger Tunneltal durch den 4-gleisigen Ausbau der Bahnstrecke werden dramatisch sein:

  • Der Ausbau der Strecke wird den Zugverkehr, vor allem aber den Güterverkehr, erheblich erhöhen.
  • Gefahrguttransporte und die potentielle Gefahr von Zugentgleisungen stellen ein nicht kalkulierbares Umweltrisiko (Tunneltal) und Sicherheitsrisiko (Stadt) dar.
  • Die Verdoppelung des Gleisbetts wird dem Tunneltal zudem viel Fläche kosten.
  • Im Bereich des Bahnübergangs „Brauner Hirsch“ werden international bedeutende Bodendenkmäler überbaut und zerstört.
  • Der beschrankte Bahnübergang „Brauner Hirsch“ wird geschlossen und durch ein weitgespanntes Brückenbauwerk, ähnlich der Fehmarnsundbrücke, ersetzt.
    • Das Brückenbauwerk wird den unverbauten Charakter der Tunneltals unwiederbringlich zerstören.
    • Die Verkehrsbelastung auf der Straße „Brauner Hirsch“ wird weiter steigen, da die Schranken als Verkehrshindernis fehlen und die Strecke dadurch als Autobahnzubringer für Hamburgs Nordosten noch attraktiver wird.
    • Der zunehmende Kfz-Verkehr wird das Gebiet mit Lärm- und Abgasemissionen belasten.
  • Parallel zu den Gleisen werden ca. 3 m hohe Schallschutzwände gebaut, die:
    • den Wildwechsel von Tieren behindern oder sogar ganz verhindern werden, was die europaweiten Bemühungen zur Biotopvernetzung an dieser Stelle zunichte machen wird.
    • den unverbauten Charakter des Tunneltals unwiederbringlich zerstören.
    • Ahrensburgs historischen Sichtachse zerstören werden.

Als der Bau der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck im Jahre 1863 realisiert wurde, ahnte man nichts von der Bedeutung des Tunneltals und baute die Trasse in die Talsohle. Heute wissen wir es besser und sollten jeglichen schädlichen Einfluss auf unser einmaliges Natur- und Kulturerbe verhindern!

Wir müssen uns fragen, welchen Wert Begriffe wie Grabungsschutzgebiet, Naturschutz oder NATURA 2000  in unserer Gesellschaft zukünftig haben sollen? Sind sie Ausdruck zukunftssichernder Schutzziele oder nur um halbherzig gemeinte Absichtserklärungen?

Unsere Forderung:

Das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal muss unangetastet bleiben und störende Einflüsse um jeden Preis verhindert werden!

Alternativen:

Zum Schutz der Büger der Stadt Ahrensburg und der wertvollen Flächen im Tunneltal muss nach Alternativtrassen für den Schienengüterverkehr gesucht werden. Hier käme insbesondere dIe Strecke Lübeck-Büchen-Lüneburg oder eine Neubautrasse parallel zur A1 in Betracht.

Als Lösungsansatz zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs für Ahrensburg , könnte beispielsweise über sogenannte „Express-U-Bahnen“nachgedacht werden, die nur einige wichtige Haltestellen in Richtung Hamburg anfahren und so die Fahrzeit verkürzen.