Schlagwort: IG Tunneltal

Stellungnahme: Touristen im Ahrensburger Tunneltal

Bereits vor der offiziellen Vorstellung der Machbarkeitsstudie regen sich die ersten Bedenken gegen eine touristische Aufwertung des Ahrensburger Tunneltals. Es besteht die Sorge, dass touristische Aktivitäten dem Naturschutzgebiet schaden könnten.

Als aktive Naturschützerin kann ich die Bedenken der Bürger sehr gut verstehen. Daher möchte ich nachfolgend auf einige Aspekte hinweisen:

1. Verschlechterungsverbot: Das Ahrensburger Tunneltal ist seit 1977 Grabungsschutzgebiet, seit 1982 Naturschutzgebiet und seit 2010 zusätzlich Bestandteil eines Fauna-Flora-Habitat-Gebietes (FFH) und genießt damit den höchsten Schutzstatus auf europäischer Ebene. Alle Maßnahmen, die im Gebiet durchgeführt werden, unterliegen daher einem “Verschlechterungsverbot“ und werden von den Naturschutzbehörden strengstens überwacht. Auch touristische „Maßnahmen“ müssten daher vorab in einer Verträglichkeitsuntersuchung geprüft werden.

Fazit: Der FFH-Status mit dem gesetzlich verankerten „Verschlechterungsverbot“ wird das Ahrensburger Tunneltal vor schädlichen Einflüssen schützen.

2. Umweltbildung: Naturschutzgebiete eignen sich besonders gut zur Umweltbildung, um das Naturbewusstsein von Menschen zu entwickeln und zu stärken. Deshalb gibt es in vielen Nationalparks und Naturschutzgebieten Infozentren und Führungen. Eine wichtige Grunderkenntnis des Naturschutzes lautet: „Nur was ich kennen und lieben gelernt habe, werde ich auch bewahren.“

Nachfolgend ein Zitat:

»Die gesellschaftliche Akzeptanz von Konzepten, Instrumenten und Maßnahmen des Naturschutzes hängt in hohem Maße davon ab, wie diese in der Öffentlichkeit positioniert und kommuniziert werden. Information und zielgruppenorientierte Kommunikation sind für eine erfolgreiche Naturschutzarbeit daher unentbehrliche Instrumente. Entsprechende Maßnahmen spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.«

(Quelle: https://www.bfn.de/themen/gesellschaft.html Website: Bundesamt für Naturschutz)

Momentan findet im Ahrensburger Tunneltal nur wenig Umweltbildung statt. Der Wald wird daher von vielen als reine Freizeitfläche wahrgenommen. Regelmäßig gibt es freilaufende Hunde im Wald, sowie Menschen, die sich mit oder ohne Hund abseits der Wege im sensiblen Feuchtgrünland bewegen. Die Tierwelt kann sich gut mit festgelegten Wanderwegen und sogar Touristengruppen arrangieren – aber nicht mit Menschen, die Wege verlassen. Für die Tiere gibt es dann keinen sicheren Rückzugsraum mehr, so dass diese wertvollen Flächen langfristig nicht mehr aufgesucht werden.

Fazit: Bildungsangebote verbessern die Wahrnehmung des Tunneltals als schützenswerten Ort und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum „Verbesserungsgebot“ im FFH-Gebiet.

3. Touristenströme: Bei den Begriffen „touristische Aufwertung“, „Regiobranding“ oder „Inwertsetzung des Tunneltals“ assoziieren viele Ahrensburger Scharen an Touristen, die zukünftig das Tunneltal besuchen könnten. Das Ahrensburger Tunneltal ist unbestritten ein Ort der Superlative: hier leben seltene Tierarten wie der Kammmolch und der Schlammpeitzger, die Geologie hat mit ihren unzerstörten eiszeitlichen Landschaftselementen viel zu bieten und die bedeutenden archäologischen Bodenfunde steinzeitlicher Kulturen genießen internationale Beachtung. Das Ahrensburger Tunneltal hätte ohne Frage das Potential zu einem UNESCO Welterbe. Aber reicht das alleine aus, um Touristenströme anzuziehen? Letzten Endes kann man weder den Kammmolch, noch die archäologischen Sensationsfunde vom Wanderweg aus sehen. Der weltberühmte Fundort „Stellmoorhügel“ liegt weitab eines Wanderweges mitten im Feuchtgrünland. Und selbst dort ist nichts weiter zu sehen, da die Funde in großer Tiefe verborgen liegen. Sinnvoller wäre daher die Wissensvermittlung an anderer Stelle: z.B. durch eine Wanderausstellung, Vortragsreihen, ein Infozentrum oder ein Museum.
Neue Schilder, QR-Codes und Führungen durch das Gebiet könnten allenfalls eine Ergänzung zu den vorgenannten Angeboten sein.

Fazit: die Wissensvermittlung wird überwiegend außerhalb des Naturschutzgebietes stattfinden müssen.

Svenja Furken für die IG Tunneltal