Transeuropäischer Schienengüterverkehr darf nicht durchs Tunneltal rollen!

Bahnübergang Brauner Hirsch

Bereits am 5. Februar 2019 gaben der Verein Jordsand e.V. und die Ig Tunneltal ene gemeinsame Pressemitteilung heraus:

Die IG Tunneltal und der  Verein Jordsand fordern: Transeuropäischer Schienengüterverkehr darf nicht durchs Tunneltal rollen!

 Offiziell wirbt die Deutsche Bahn mit einer Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs durch den Neubau der S4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe. Dazu sollen bis zu zwei neue Gleise westlich entlang der bestehenden Strecke gebaut werden. Doch hinter dem angepriesenen Neubau der S4 verbirgt sich eines der größten Infrastrukturprojekte Europas, nämlich der Ausbau der Schienenanbindung an den geplanten Fehmarnbelt-Tunnel nach Skandinavien.

„Der öffentliche Personennahverkehr bekommt neue Gleise, um Platz für den transeuropäischen Schienengüterverkehr zu machen!

Bis zu 84 Güterzüge täglich würden dann Tag und Nacht durch das Tunneltal und unsere Stadt rollen. Die Auswirkungen auf das Tunneltal werden dramatisch sein.“ befürchtet Svenja Furken von der IG Tunneltal.

Zum Schutz der Büger der Stadt Ahrensburg und der wertvollen Flächen im Tunneltal muss nach Alternativtrassen für den Güterverkehr gesucht werden. Auch das EU-Recht fordert die Prüfung von Alternativen. Hier kämen beispielsweise die Strecke Lübeck-Büchen-Lüneburg oder eine Neubautrasse parallel zur A1 in Betracht.

 Was würde der Ausbau für das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal bedeuten?

 Das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal ist eines der letzten glazial geprägten Gebiete Nordeuropas, in dem die Geomorphologie sehr gut erhalten ist. Geologische Prozesse während der letzen Eiszeit hinterließen hier Spuren, die noch heute sichtbar und erlebbar sind. Das Tunneltal wird deshalb vom Geologischen Landesamt Hamburg als „Geotop von überregionaler Bedeutung“ gelistet.

Das Tunneltal zählt darüber hinaus „zu den bedeutendsten Forschungsregionen der altsteinzeitlichen Archäologie des nördlichen Europas.  (Ingo Clausen und Annette Guldin, Archäologische Nachrichten Schleswig-Holstein 2016, Kiel/Hamburg 2017) Die Entdeckung der zahlreichen Kulturspuren steinzeitlicher Rentierjäger („Hamburger Kultur“ und  „Ahrensburger Kultur“), machen das Tunneltal zu einem international bedeutenden Fundort.

Nach Einschätzung des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein hat das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal damit die Wertigkeit eines UNESCO-Welterbes.

Nicht umsonst ist das Ahrensburger Tunneltal seit 1977 Grabungsschutzgebiet und Geotop, seit 1983 Naturschutzgebiet und seit 2010 außerdem Bestandteil eines Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebietes und genießt damit den höchsten Schutzstatus auf europäischer Ebene!

Die Auswirkungen auf das Ahrensburger Tunneltal durch den 4-gleisigen Ausbau der Bahnstrecke wären dramatisch:

  •  Die Verdoppelung des Gleisbetts wird dem Tunneltal (darunter geschützte Naturschutz- und Geotopflächen) mehrere Hektar Fläche kosten.
  • Im Bereich des Bahnübergangs „Brauner Hirsch“ werden international bedeutende Bodendenkmäler überbaut und zerstört.
  • Der Ausbau der Strecke wird den Zugverkehr, vor allem aber den Güterverkehr, erheblich erhöhen.
  • Gefahrguttransporte und die potentielle Gefahr von Zugentgleisungen stellen ein nicht kalkulierbares Umweltrisiko (Tunneltal) und Sicherheitsrisiko (Stadt) dar.
  • Parallel zu den Gleisen werden 3-6 m hohe Schallschutzwände gebaut.
  • Die Wände werden den Wildwechsel von Tieren behindern oder ganz verhindern, was die europaweiten Bemühungen zur Biotop-vernetzung (Natura 2000) an dieser Stelle zunichtemachen.
  • Der unverbaute Charakter des Tunneltals und die historische Sichtachse in Ahrensburg werden durch die Schallschutzwände unwiederbringlich zerstört.
  • Der beschrankte Bahnübergang „Brauner Hirsch“ wird geschlossen und durch ein weitgespanntes Brückenbauwerk ersetzt.
  • Die Verkehrsbelastung auf der Straße „Brauner Hirsch“ wird weiter steigen, da die Schranken als Verkehrshindernis fehlen und die Strecke dadurch als Autobahnzubringer für Hamburgs Nordosten noch attraktiver wird.Der zunehmende Kfz-Verkehr wird das Gebiet mit Lärm- und Abgasemissionen belasten.
  • Das Brückenbauwerk wird den unverbauten Charakter der Tunneltals unwiederbringlich zerstören.

„Als der Bau der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck im Jahre 1863 realisiert wurde, ahnte man nichts von der Bedeutung des Tunneltals und baute die Trasse einfachheitshalber in die Talsohle.

Heute wissen wir es besser und sollten jeglichen schädlichen Einfluss auf unser einmaliges Natur- und Kulturerbe verhindern!

Wir müssen uns fragen, welchen Wert Begriffe wie Grabungsschutzgebiet, Geotop, Naturschutzgebiet oder NATURA 2000  in unserer Gesellschaft zukünftig haben sollen?

Sind sie Ausdruck zukunftssichernder Schutzziele oder nur halbherzig gemeinte Absichtserklärungen?“ so das Resümee des Verein Jordsand und der IG Tunneltal.

           

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