Wir trauern um unser Vorstandsmitglied

Vom Kapitän zum Seevogelschützer

Uwe Schneider (*1939), langjähriger Geschäftsführer des Vereins Jordsand und Gründungsmitglied sowie Vorstandsmitglied unseres Vereins verstarb im Alter von 87 Jahren.

„Das Kind muss in Blankenese zur Welt kommen“, forderte Uwe Schneiders Vater, ein gebürtiger Blankeneser. Seine Frau, aus dem thüringischen Südharz stammend, folgte diesem Wunsch. Denn wer dort geboren wird, so glaubte man, dem wird die Seefahrt gleichsam in die Wiege gelegt.

Und so kam es auch: Den jungen Uwe Schneider zog es hinaus aufs Meer. Seine Laufbahn begann auf dem legendären Frachtsegelschulschiff „Passat“, mit dem er ein Jahr über die Weltmeere reiste.

Der zeitgleiche Untergang des Schwesterschiffes „Pamir“ erschütterte ihn bis ins hohe Alter – nicht zuletzt, weil seine Eltern aufgrund einer Namensverwechslung bereits Kondolenzschreiben für ihren vermeintlich verstorbenen Sohn erhielten.

Trotz dieses einschneidenden Erlebnisses blieb Schneider der Seefahrt treu und erwarb bereits im Alter von 24 Jahren das Kapitänspatent für die „Große Fahrt“. Neben der Faszination für ferne Länder und Kulturen waren es vor allem die Seevögel, die ihn begeisterten.

Diese Leidenschaft führte ihn schließlich zum 1907 in Hamburg gegründeten Verein Jordsand. Ab 1965 engagierte er sich dort ehrenamtlich und wurde 1976 zum Vorsitzenden gewählt. Bald stand er vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Seefahrt oder Naturschutz. Schneider entschied sich für den Seevogelschutz und wurde 1979 erster hauptamtlicher Geschäftsführer des Vereins.

Unter seiner Leitung entwickelte sich der einst kaum bekannte Verein mit bescheidener Geschäftsstelle zu einer der bedeutendsten Organisationen für den Seevogelschutz. Mehr als 20 Schutzgebiete in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zeugen von diesem Wachstum unter seiner Führung.

Vorbild waren für ihn die großen britischen Naturschutzorganisationen mit ihren repräsentativen Sitzen. 1981 gelang es ihm, dass „Haus der Natur“ in Ahrensburg-Wulfsdorf als Geschäftsstelle des Vereins anzumieten und damit auch nach außen ein sichtbares Zeichen zu setzen. 2005 gelang ihm sogar der Kauf des „Haus der Natur“, das seitdem im Besitz des Vereins ist.

Durch sein Gespür für Öffentlichkeitsarbeit und sein weitreichendes Netzwerk gewann Schneider zahlreiche Unterstützer aus Politik und Wirtschaft. Zu den prominenten Gästen im „Haus der Natur“ zählte unter anderem die Kanzlergattin Loki Schmidt, die dem Verein eng verbunden war.

Ein besonderes Anliegen war ihm die internationale Jugendarbeit. Noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs setzte er sich dafür ein, junge Naturschützer aus Ost- und Westeuropa zusammenzubringen. Die Hallig Norderoog im nordfriesischen Wattenmeer – seit 1909 im Besitz des Vereins – wurde dabei zum Zentrum dieser Begegnungen. Gemeinsam mit Jugendlichen aus beiden Teilen Deutschlands, Spanien, Ungarn, Polen oder dem Baltikum trug er dazu bei, die kleine Vogelinsel durch gezielte Uferschutzmaßnahmen zu erhalten – und zugleich Verständnis und Austausch über Grenzen hinweg zu fördern.

Für sein Engagement wurde Schneider im Jahr 1982 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. 1996 folgte die Alfred-Töpfer Medaille der Freien- und Hansestadt Hamburg.

Mit seinem Ausscheiden aus dem Verein Jordsand im Jahr 2012 zog sich Uwe Schneider aus der aktiven Vereinsarbeit zurück. In Ahrensburg fand er gemeinsam mit seiner Familie einen ruhigeren Lebensmittelpunkt und widmete seine letzten Lebensjahre verstärkt dem Naturschutz vor der eigenen Haustür. Als Gründungs- und Vorstandsmitglied setzte er sich im Verein „Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal“ bis zuletzt engagiert ein. Zugleich pflegte er weiterhin die vielen Freundschaften, die ihn seit seiner Zeit beim Verein Jordsand begleiteten – von der norddeutschen Westküste bis ins estnische Viljandi.

Uwe Schneider hinterlässt seine Frau, zwei Söhne und eine Tochter. Sein Wirken für den Naturschutz und die Menschen, die er zusammenbrachte, wird bleiben.

Ein Nachruf von Svenja Furken

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