PRESSEMITTEILUNGEN

 

Pressemitteilung vom 27. August 2019:

Wieviel Rentierjäger steckt noch heute in uns?                                                                           

Der renommierte Biochemiker Prof. Dr. Johannes Krause, Direktor des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena und Bestsellerautor des Buches „Die Reise unserer Gene“ ist auf Einladung der IG Tunneltal zu Gast in Ahrensburg. Er wird am 13. September um 19 Uhr in der Stadtbücherei Ahrensburg einen Vortrag über „Die genetische Geschichte Europas“ halten und für manche Überraschung sorgen.

Ahrensburg – ein international bedeutender Fundort
Jedes Kind in Ahrensburg lernt irgendwann in der Schule, dass vor langer Zeit  Rentierjäger in Ahrensburg lebten. Hinweise auf diese frühen Bewohner Ahrensburgs, finden sich seit ihrer Entdeckung durch Alfred Rust sogar im Stadtwappen.
Aber dass das Ahrensburger Tunneltal zu den bedeutendsten Forschungsregionen altsteinzeitlicher Archäologie zählt, wissen viele nicht.
Die eiszeitlichen Rentierjäger, die hier vor 12- bis 14.000 Jahren lebten, hinterließen tausende Rentierknochen und Flintartefakte, seltsame „Musikinstrumente“ wie ein „Schwirrgerät“ aus Rentierknochen und den geheimnisvoll verzierten „Stab von Poggenwisch“, der zu den ältesten Kunstobjekten Europas zählt.
Sogar 100 Holzpfeile konnten im Tunneltal geborgen werden und sind der weltweit älteste Nachweis für die Nutzung von Pfeil und Bogen in der Menschheitsgeschichte.
Kein Wunder also, dass der Fundort weltberühmt ist und unsere Stadt sogar Namensgeber („Ahrensburger Kultur“, int. „Ahrensburgian culture“) für eine der beiden hier entdeckten Kulturen wurde.
Doch was waren das für Menschen, die sich am Ende der Eiszeit so weit in den Norden wagten und wo sind sie abgeblieben?

Archäogenetik ermöglicht neue Einblicke in die Menschheitsgeschichte
Ein völlig neuer Wissenschaftszweig ermöglicht nun ungeahnte Einblicke in die Vergangenheit der Menschheitsgeschichte und kann vielleicht sogar ein paar neue Erkenntnisse über unsere Rentierjägerkulturen zu Tage bringen.
Es ist die Archäogenetik, die mit Hilfe modernster Technologien, aus uralten menschlichen Knochen Informationen über das Erbgut herauslesen kann und so Rückschlüsse auf die Herkunft, Lebensweise und sogar das Aussehen alter Kulturen ziehen kann.

Prof. Dr. Johannes Krause

Einer der weltweit führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet ist der renommierte Biochemiker Prof. Dr. Johannes Krause, der seit 2014 das neu gegründete Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena leitet.
Seinetwegen musste die Menschheitsgeschichte schon zweimal umgeschrieben werden. So wirkte er bereits an der Entschlüsselung des Erbgutes des Neandertalers mit, die überraschend ergab, dass in jedem von uns noch etwas Neandertaler steckt.
Kaum zu glauben, aber unsere frühen Vorfahren (homo sapiens), die vor 40.000 Jahren, von Afrika kommend, Europa und den Rest der Welt eroberten, hatten lebensfähige Nachkommen mit den Urmenschen Eurasiens,  den Neandertalern!
2010 folgte die nächste Sensation, als Johannes Krause überraschend entdeckte, dass sogar noch eine zweite Urmenschenform in Eurasien existierte! Der Denisova-Mensch. Nur ein Bruchstück eines Fingerknochens offenbarte die unerwartete Identität eines sibirischen Fossils aus der Denisovahöhle.
Inzwischen hat sich die Effizienz der Sequenziermaschinen um den unglaublichen Faktor von 100 Millionen vervielfach, so dass die Sequenzierung eines Genoms nicht mehr 10 Jahre, sondern nur noch einen Tag dauert!“
Für die Archäogenetik ergaben sich damit ungeahnte Möglichkeiten. Das Max-Planck-Institut für Menschheits-geschichte in Jena gehört dabei zu den weltweit führenden Einrichtungen für die Entschlüsselung uralter DNA.

 

Medizinische Genforschung war die Grundlage
„Wir befinden uns in einem wahren „Sequenzier-Zeitalter““ beschreibt Johannes Krause die Fortschritte der modernen Genforschung.
„Alles begann 1990 mit dem internationalen Humangenomprojekt. Man hatte sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, das Genom des Menschen zu entschlüsseln. Dazu musste die Abfolge von über 3 Milliarden Basenpaare der menschlichen DNA herausgelesen (sequenziert) werden.1000 Wissenschaftler aus 40 Ländern beteiligten sich an dem Projekt. Es dauerte 10 Jahre und verschlang Millliarden, bis endlich die komplette Sequenzierung des Genoms im Jahr 2003 gelang.
Inzwischen hat sich die Effizienz der equenziermaschinen um den unglaublichen Faktor von 100 Millionen vervielfach, so dass die Sequenzierung eines Genoms nicht mehr 10 Jahre, sondern nur noch einen Tag dauert!“
Für die Archäogenetik ergaben sich damit ungeahnte Möglichkeiten. Das Max-Planck-Institut für Menschheits-geschichte in Jena gehört dabei zu den weltweit führenden Einrichtungen für die Entschlüsselung uralter DNA.

Forschungen zur frühen Besiedlung Europas sorgen für neue Erkenntnisse und manche Überraschung
„Mit den Analysen können Antworten auf die großen Fragen der Menschheitsgeschichte gefunden werden: Woher kommt der Mensch und wie hat er sich entwickelt?“ prognostiziert Johannes Krause.
Dabei ist es den Forschern schon jetzt gelungen, die frühe Besiedlung Europas  weitgehend zu rekonstruieren. Die Forschungsergebnisse belegen, dass Migration und Einwanderung kein Phänomen der Gegenwart, sondern Teil der Menschheitsgeschichte sind und uns zu dem machten, was wir heute sind.
Die spannenden Forschungsergebnisse hat Johannes Krause zusammen mit Thomas Trappe in dem Buch „Die Reise unserer Gene- Eine Geschichte über uns und unsere Vorfahren“ zusammengefasst und damit im März einen Spiegel-Bestseller gelandet.
Auch die Gene früher Jäger- und Sammlerkulturen, zu denen die Ahrensburger Rentierjägerkulturen gehören, wurden von den Wissenschaftlern unter die Lupe genommen – und haben für manche Überraschung gesorgt. „Wir werden uns ein ganz neues Bild von unseren Rentierjägern machen müssen“ verrät schon jetzt die IG Tunneltal mit einem Augenzwinkern. „Und wieviel Rentierjäger noch heute in jedem von uns steckt, können Sie auf dem Vortrag von Johannes Krause am 13. September in der Stadtbücherei Ahrensburg selbst erfahren.“

Text: Svenja Furken

Fotos: Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Jena

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Pressemitteilung vom 5. Februar 2019

Die IG Tunneltal und der Verein Jordsand fordern: Transeuropäischer Schienengüterverkehr darf nicht durchs Tunneltal rollen!

Offiziell wirbt die Deutsche Bahn mit einer Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs durch den Neubau der S4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe. Dazu sollen bis zu zwei neue Gleise westlich entlang der bestehenden Strecke gebaut werden. Doch hinter dem angepriesenen Neubau der S4 verbirgt sich eines der größten Infrastrukturprojekte Europas, nämlich der Ausbau der Schienenanbindung an den geplanten Fehmarnbelt-Tunnel nach Skandinavien. „Der öffentliche Personennahverkehr bekommt neue Gleise, um Platz für den transeuropäischen Schienengüterverkehr zu machen! Bis zu 78 Güterzüge oder mehr würden dann Tag und Nacht durch das Tunneltal und unsere Stadt rollen. Die Auswirkungen auf das Tunneltal werden dramatisch sein.“ befürchtet Svenja Furken von der IG Tunneltal.

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Pressemitteilung vom 1. Oktober 2018

Wird das Ahrensburger Tunneltal UNESCO Welterbe?

Ein Jahr ist es her, dass die Interessensgemeinschaft (IG) Tunneltal die Stadt Ahrensburg aufforderte, das Ahrensburger Tunneltal als potentielles UNESCO Welterbe wahrzunehmen. Immerhin gehört „das Ahrensburger Tunneltal zu den bedeutendsten Forschungsregionen altsteinzeitlicher Archäologie des nördlichen Europas“, wie die Archäologen Ingo Clausen und Anette Guldin in den „Archäologischen Nachrichten Schleswig-Holstein 2016“ berichten.

Ist unser Tunneltal wirklich so bedeutsam und könnte es ein UNESCO Welterbe werden? 

Um diese Frage zu beantworten, wurde eigens der neue Amtsleiter des archäologischen Landesamtes, Dr. Ulf Ickerodt, zur Sitzung des Bildungs-, Kultur- und Sportausschusses (BKSA) am 27.09.2018 eingeladen. Und ja, er ist der Überzeugung, dass „das Ahrensburger Tunneltal grundsätzlich die Voraussetzungen für ein Welterbeantrag erfüllt.“ Dass ein Welterbeantrag zum jetzigen Zeitpunkt allerdings wenig Aussicht auf Erfolg hätte, begründet er damit, dass die UNESCO derzeit weniger europäische Stätten nominiert. Gerade Deutschland hat in der Vergangenheit zu viele Stätten gemeldet. Pech für Ahrensburg. 

Dennoch ermuntert Dr. Ickerodt die Stadt, „den Weg zum UNESCO Welterbe als Ziel zu sehen“ und zunächst eine regional orientierte Inwertsetzung des Tunneltals durch Bildungsangebote und Projekte umzusetzen. „Durch Vermittlung wird Heimat zu einem nachwachsenden Rohstoff“ erklärt er und stellt sein Konzept des sogenannten „Regio-Brandings“ vor. Mit Regio-Branding soll die Grundlage geschaffen werden, um die Identifikation der Bürger mit ihrer Region und Kulturlandschaft zu stärken.

Auch die IG Tunneltal, vertreten durch Svenja Furken, bekam auf der Sitzung des BKSA die Gelegenheit, ihre Beweggründe für die UNESCO Forderung zu erläutern. „Unsere Leidenschaft für das Tunneltal, hat uns zu der Eingabe bei der Einwohnerversammlung bewogen. Wir wollten die Ahrensburger wachrütteln und auf die Einmaligkeit des Tunneltals hinweisen. Das Ahrensburger Tunneltal ist eines der letzten Gebiete Nordeuropas, in dem die Spuren der letzten Eiszeit nahezu unzerstört erhalten geblieben ist. Und schließlich ist sogar eine Kulturgruppe, nämlich die „Ahrensburger Kultur“ (ca. 12.000 Jahre vor heute) nach Ahrensburg benannt worden. Darauf sollten wir stolz sein.“, so Svenja Furken.

Vor drei Jahren hat sie mit anderen Enthusiasten die IG Tunneltal gegründet. Zusammen mit dem Archäologen Kai der Graaf bietet sie seitdem Führungen und Kurse zum Thema Eiszeit und Rentierjäger an. „Die enorme Nachfrage hat uns klar gemacht, dass das Bildungsangebot derzeit nicht ausreicht.“ Nun wollen sie als nächsten Schritt die „Stiftung Tunneltal“ gründen, um so Projektanträge stellen zu können, durch die das Bildungsangebot ausgebaut und verbessert werden kann.

Eine verbesserte Beschilderung an den Wanderwegen, der Aufbau einer Website, eine Wanderausstellung, ein „fahrendes Museum“ um auch Schulen zu erreichen und irgendwann ein stationäres Museum sind die Ziele der Stiftung. Auch der Ausbau eines großen Netzwerks rund um das Tunneltal steht auf dem Plan. Bereits jetzt hat die IG Tunneltal engen Kontakt zum Verein Jordsand, zum Archäologischen Museum Hamburg und zum „Haus der Wilden Weiden“ im benachbarten Höltigbaum. „Der Höltigbaum könnte Vorbild für die Etablierung einer großen Weidelandschaft im Ahrensburger Tunneltal werden. Denn durch die Umwandlung bestehenden Ackerlandes in Grünland könnte die besondere Geologie des Tunneltals besser sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig würden die archäologischen Fundorte besser geschützt werden, da keine mechanische Bodenbearbeitung mehr stattfinden würde.“ so Svenja Furkens Zukunftsvision.

Das Ahrensburger Tunneltal mit seiner eiszeitlichen Entstehungsgeschichte, den steinzeitlichen Rentierjägerkulturen und seiner reichhaltigen Natur hat großes Potential spannende Geschichten zu erzählen. Deshalb plant die IG Tunneltal für kommendes Jahr eine Vortragsreihe in der Stadtbücherei Ahrensburg, in der die vielen Aspekte des Ahrensburger Tunneltals durch verschiedene Fachleute vorgestellt werden.

Text: IG Tunneltal